

Zwei Smarts und ein Taxi fahren derzeit durch Köln. Beklebt mit großen QR Codes machen sie Werbung für den Kostümball HelligJeck 2012 am 28. Januar in der Wolkenburg.

Die Hellige Knäächte Mägde sind Kölns älteste Tanzgruppe. Bei aller Tradition kennt die Gruppe jedoch keinen Stillstand. So kann diese als neusten Spross ihrer Entwicklung seit 2009 eine Kindergruppe ihr Eigen nennen. Die rund 35 Kinder- und Jugendlichen verbreiten auf den großen und kleinen Bühnen Freude. Natürlich darf der Nachwuchs im Studio darum nicht fehlen.
Bevor uns die Tanzgruppe im Studio besucht hat, haben wir deren zweiten Vorsitzenden Jörg Schmitter begleitet und beleuchtet, wie er den beruflichen Alltag und seine karnevalistische Leidenschaft unter einen Hut bekommt. Den Bericht sehen Sie hier ebenso wie das Interview und die Tanzeinlage der Hellige Knäächte un Mägde.
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Text und Video: center.tv
Jetzt müssen alle Rheinland-Pfälzer ganz stark sein. Der Kölner Rosenmontagszug ist der älteste Rosenmontagszug. Am 10. Februar 1823, heute vor fast 180 Jahren, startete er zum ersten Mal. Was aber aus rheinland-pfälzischer Sicht nicht schlimm ist. Auch der Mainzer Umzug und die vielen anderen großen und kleinen rheinlandpfälzischen Umzüge sind klasse.
Der Kölner Umzug ist aber aus einem anderen Grund auch noch interessant. Es wird ja viel gestritten, woher Fassenacht oder Karneval kommt. Eine weit verbreitete Erklärung: Ihre Wurzeln liegen in der christlichen Religion. Und am Kölner Umzug lässt sich das bis heute sehen. Da gibt es eine Gruppe, die heißt: „Hellige Knäächte un Mägde“, also „Heilige Knechte und Mägde“. Sie heißen nicht so, weil sie besonders fromm wären. Nein. Die Gruppe lässt sich auf kirchliche Prozessionen zurückführen. Prozessionen sind im Grunde genommen auch Umzüge. Aber eben religiöse Umzüge. Hier ziehen Gläubige durch die Straßen, übers Feld, zu kleinen Kapellen oder einmal ums Dorf. Auf diesen Prozessionen war es früher üblich, Heiligenbilder mitzuführen. Und die durften natürlich nicht von Hinz und Kunz getragen werden. Dafür wählte man Mägde und Knechte kölnischer Bauern aus. In einem Text heißt es: Es mussten „makellose Jünglinge und Jungfrauen sein.“ Aber die Mägde und Knechte tanzten auch auf der Kirmes, der Kerb. Und so war ihr Weg in den Karneval als Tanzgruppe fast schon unausweichlich.
Eine Tanzgruppe, die auf Prozessionen mitgeht und im Karneval tanzt. Das mutet auf den ersten Blick merkwürdig an. Aber vor Gott tanzen, das hat eine alte Tradition. Im Judentum etwa wird von König David erzählt. Der tanzt wie ein kleines Kind vor der Bundeslade. Und die Bundeslade ist immerhin die älteste Reliquie des Judentums (2 Samuel 6, 14.15). Und auch im Christentum gibt es gerade in neuerer Zeit viele Versuche, Tanz und Glaube zu verbinden. Ich finde das wichtig. Weil da nämlich der ganze Körper in den Glauben mit hineingenommen wird. Der ganze Mensch. Und zum ganzen Menschen gehört der Körper, das Tanzen übrigens auch das Feiern, die Fröhlichkeit, die Musik, das Lachen. Deshalb haben Glaube und Fassenacht miteinander zu tun. Und das gilt, egal ob beim Kölner Umzug oder auf einem der Umzüge in Rheinland-Pfalz.
Thomas Weißer, Budenheim, kath. Kirche
